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Djangos
Erben Jedes Jahr im Sommer erwacht ein unbenutzter Fußballplatz am Stadtrand von Koblenz aus dem Dornröschenschlaf: Camping-Wagen treffen gruppenweise ein, ein Festzelt wird errrichtet, Bierstände, und Würstchenbuden werden aufgestellt. Für drei Tage sind Sinti-Musiker aus Deutschland, Frankreich und der ganzen Welt zusammen gekommen, um auf dem Musik-Festival “Djangos Erben” den legendären Sinti-Swing zu spielen, den Django Reinhardt in den 30er Jahren des vorigen Jahrhundert weltberühmt gemacht hat. Treibende Kraft hinter dem Musik-Fest ist die Familie Sascha Reinhardt, die seit Generationen in Koblenz verwurzelt ist. Daweli Reinhardt (75), der Botschafter der Sinti von Koblenz und Oberhaupt der weitverzweigten Familie, spielte als Sologitarrist im “Schnuckenack Reinhardt Quintett” und machte Ende der 60er Jahre den Sinti-Jazz auch in Deutschland populär. Musik ist ihr Leben, fast alle Reinhardts sind hochmusikalisch, aber nur wenige können damit ihr Geld verdienen. Während des Festivals treffen wir mit Familienmitgliedern aus drei … Generationen zusammen. Die mitreißende Musik bildet den roten Faden und wiederkehrenden Bezuspunkt des Films, von dem aus sich Geschichten und Themen der Protagonisten entfalten. Ihre Lebensentwürfe spiegeln die Vielfalt und Widersprüche einer nationalen Minderheit wider, die bis heute von der Mehrheitsgesellschaft diskriminiert wird. Die meisten Sinti möchten ihre kulturellen und sozialen Traditionen nicht missen. Sie geben ihnen die Sicherheit im Alltag und bewahren sie vor Demütigungen. Gleichzeitig können sie sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht dauerhaft verschließen. Schon längst sind Phänomene wie Internet oder Hip-Hop ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags von Sinti-Jugendlichen. Die Sprache Romanes als erkennbarster Ausdruck der eigenen Identität innerhalb der anderen Realität, Deutscher zu sein, verliert immer mehr an Bedeutung. Wie gehen unsere Protagonisten mit der Herausforderung um, einerseits mit Fleisch und Blut Sinti zu sein, gleichzeitig aber auch wie jeder andere Deutsche zu leben und anerkannt werden zu wollen? Sascha
Reinhardt (55) hätte gern studiert, aber in seiner Generation hatten
Sinti-Kinder keine Chance auf eine gute Schulausbildung. Noch seine
Söhne haben unter dem Stempel, “Zigeuner” zu sein,
in der Schule gelitten. Sascha ist der Initiator und Motor des Festivals,
seine Söhne helfen ihm dabei. Mit dem Festival verbindet er das
hochgesteckte Ziel,Vorurteile gegenüber den Sinti abzubauen und
die Deutschen für ihre Kultur zu interessieren. Wenn das Festival
vorbei ist, geht er den Geschäften nach, die die Mehrheitsgesellschaft
von ihren ‘Nischenbewohnern’ kennt: Schrott fahren, Würstchenbuden
betreiben, Weihnachtsbäume verkaufen. Bawo Reinhardt (66), der
auch schon Gastwirt war und als Bassist in verschiedenen Sinti-Ensembles
mitspielt, organisiert mit seiner Tochter Tschai (34) Romanes-Unterricht
für Sinti an einer deutschen Grundschule im Stadtteil Koblenz-Asterstein
– damit die Sprache nicht verloren geht. Bawo unterrichtet selbst
mit pädagogischem Geschick, obwohl auch er früher nur selten
eine Schule von innen gesehen hat. Allen
Protagonisten ist ihre tiefe Verwurzelung in der Sinti-Kultur gemeinsam.
Welche Zukunft hat eine nationale Minderheit, die auf ihrer Eigenständigkeit
besteht, deren Kultur aber immer mehr in der Mehrheitsgesellschaft zu
verschwinden droht? |
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